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Leverage Ratio – mehr Hürde als Hilfe
Von Basel III zu Basel IV

Leverage Ratio – mehr Hürde als Hilfe

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Noch bevor Basel III vollständig umgesetzt ist, wirft Basel IV seine Schatten voraus. Doch zu frühe Anpassungen des mit Mühen erst verabschiedeten Reformwerks Basel III könnten meines Erachtens den Zweck der bisherigen Regelungen gefährden.

Vielleicht das bekannteste Kürzel der Bankenregulierung: Basel III. Damit sollen Kreditinstitute unter anderem gezwungen werden, mehr Eigenkapital als Puffer gegen neue Krisen vorzuhalten.

Doch nicht nur in diesem Zusammenhang beobachten wir in den vergangenen Monaten Entwicklungen, die möglicherweise in ein Grundgerüst für ein zukünftiges Basel IV münden.

Insbesondere die Komplexität der Risikomodellierungen steht in der Kritik. Auf deren Basis berechnet sich vor allem bei größeren Banken der Kapitalbedarf für Kredit- und Marktrisiken.

So werden unter Aufsichtsbehörden inzwischen verbreitet Bedenken hinsichtlich der Vergleichbarkeit bankinterner Risikomodellierungen und der Verlässlichkeit der damit ermittelten risikogewichteten Aktiva (RWA) geäußert.

Gleichzeitg wird der Ruf nach einer grundlegenden Vereinfachung von aufsichtsrechtlichen Vorschriften lauter.

Das gibt einer anstehenden Basel IV-Reform Konturen: Im angesprochenen Zusammenhang läuft dies auf eine höhere Bedeutung nicht-risikogewichteter Kapitalvorschriften hinaus – exemplarisch zugunsten einer nicht-risikogewichteten Höchstverschuldungsquote, der sogenannten Leverage Ratio.

Die Leverage Ratio besagt grob, dass mindestens drei Prozent der um bestimmte Positionen erweiterten Bilanzsumme Eigenkapital sein müssen. Nach den nun Anfang März von der Bundesbank vorgelegten Ergebnissen des “Basel III Monitoring” für deutsche Institute (Stand per Juni 2013) lag die Leverage Ratio von acht großen Kreditinstituten bei durchschnittlich nur 2,2 Prozent.

Um die Zielquote zu erreichen, beträgt der zusätzliche Kernkapitalbedarf allein für diese Institute annähernd 37 Milliarden Euro.

Allerdings muss man an dieser Summe insofern Abstriche machen, als dass die neuen Standards zur Ausgestaltung der Leverage Ratio, die der Basler Ausschuss im Januar 2014 veröffentlicht hat, im Monitoring noch nicht berücksichtigt waren.

Hinzu kommt, dass ein verbindlich einzuhaltender Mindestwert für die Leverage Ratio einer bis 2017 andauernden Beobachtungsperiode unterliegt.

Trotzdem bedeutet schon die jetzige Basel III-Planung eine Kraftanstrengung für die betroffenen Banken.

Damit nicht genug: Einzelne Länder beabsichtigen, mit Basel IV über die bisherige Anforderung einer Drei-Prozent-Grenze für jene Mindestquote hinauszugehen.

Dies soll sowohl hinsichtlich der Quotenhöhe und der Definition von Kapitalbestandteilen als auch der Zeitplanung gelten. Grund genug, Sinn und Zweck dieser vermeintlichen Vereinfachung bei den Kapitalanforderungen zu hinterfragen.

Ein allzu voreiliges Streben nach Vereinfachung unter Basel IV könnte unbeabsichtigte Konsequenzen nach sich ziehen.

Eine nicht risikosensitive Leverage Ratio von deutlich über drei Prozent, gegebenenfalls ergänzt um weitere Puffer-Elemente, würde eher einen harten “Front-Stop” für Kapitalanforderungen darstellen. Sie würde weniger der “Back-Stop”-Auffangfunktion entsprechen, die diese Quote gemäß Basel III ursprünglich einnehmen sollte.

Eine solche “Front-Stop”-Funktion unter Basel IV würde die bislang explizit risikobasierten Normierungen des Basler Akkords konterkarieren. Ebenso kehrt sie die ursprünglich verfolgte Intention, die bankinternen Risikosteuerungsprozesse zu stärken, in ihr Gegenteil.

Für Kreditinstitute könnte eine deutlich erhöhte Leverage Ratio einen kaum gewünschten Anreiz liefern, riskantere Geschäfte einzugehen.

Der Grund: Die Kapitalkosten erhöhen sich durch die Leverage Ratio signifikant für ein Portfolio mit geringem Risikogewicht.

Gleichzeitig würden heute vor allem unter Risikogesichtspunkten attraktive Positionen benachteiligt. Darunter fielen dann nicht nur erstklassige liquide Aktiva oder auch die niedrig-margige Finanzierung öffentlicher Haushalte. Sondern faktisch auch große Teile der im deutschen Markt bewährten langfristigen Baufinanzierung.

Das Vertrauen in eine erhöhte Leverage Ratio scheint mir übersteigert.

Wir sollten abwarten, wie die Ergebnisse der bisherigen Regulierung aussehen: Nicht zuletzt deshalb wurde die Europäische Bankenaufsichtsbehörde für die nächsten Jahre ja mit weitreichenden Analysen und Auswirkungsstudien mandatiert.

Ich bin der Meinung, wir sollten erst einmal Erfahrungen mit der Regulierung nach Basel III und ihrer komplexen Wirkungsweise sammeln, bevor wir über einen weiteren Ausbau hin zu Basel IV nachdenken.

 



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