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Warum sich Partnerschaften lohnen
Pharmaindustrie

Warum sich Partnerschaften lohnen

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Früher war alles ganz einfach. Der Patient geht zum Arzt, dieser verschreibt ihm ein Medikament, das holt er sich aus der Apotheke. Heute ist das System komplexer. Maßgeblich ist nicht mehr allein der Arzt als Vermittler, sondern derjenige, der das Medikament am Ende als Kunde bezahlt. Dessen Ansprüche sind gestiegen. Heilungserfolge sollen höher sein, der Preis dafür geringer.

Die Pharmaindustrie muss sich also neu positionieren.

Wenn ich mit meinen Mandanten spreche, merke ich immer wieder: Pharmakonzerne sehen sich nicht außerhalb des Gesundheitssystems, sondern verstehen sich als integrierter Akteur. Sie wollen Lösungen für bestehende strukturelle und finanzielle Probleme bieten.

Ein Produkt zu einem guten Preis reicht nicht aus.

Medikamente müssen vermarktet werden, wie jedes andere Konsumgut auch. Dazu müssen die Konzerne aktiv kommunizieren und auf die Patienten zugehen. Gefragt sind individuelle Lösungen, wie speziell aufeinander abgestimmte Medikamente.

Verschlossene Katakomben und abgeriegelte Sicherheitszonen gelten noch immer als das typische Sinnbild der Arzneimittelforschung. Diese Zeit ist vorbei. Wenn Pharmaunternehmen als gleichberechtigte Partner ernst genommen werden wollen, müssen sie sich öffnen. Kooperationen mit den Patienten, mit Hochschulen und sogar der Konkurrenz verändern den Blickwinkel. Heute soll die Pharmaforschung einen transparenten und nachvollziehbaren Prozess durchlaufen. So kann sie zu den Gewinnern des Strukturwandels zählen.

Spannend finde ich Partnerschaften mit Universitäten oder anderen Pharmakonzernen.

Ihnen sind eine große Offenheit und hohe Erfolge durch Synergien gemeinsam. Die Kosten neuer Projekte können gesenkt und Risiken besser verteilt werden.

Denn die Summen sind gewaltig: Insbesondere bei sogenannten Blockbustern, also Medikamenten, die mehr als eine Milliarde Umsatz pro Jahr generieren, übersteigen die Forschungskosten oft die Milliardenschwelle. Risiken, die für ein einzelnes Unternehmen oft nicht abzuschätzen sind. Ein Erfolgsbeispiel ist die Kooperation des größten deutschen Pharmakonzerns Bayer mit dem US-Konzern Johnson & Johnson bei der Entwicklung des gemeinsamen Thrombose-Mittels Xarelto.

Doch klar ist auch: Nicht jede Anstrengung im Forschungsbereich macht sich am Ende auch bezahlt. Pharmakonzerne müssen ermitteln, in welche Produkte es sich überhaupt lohnt zu investieren. Welche Medikamente können gut auf dem Markt positioniert werden und schaffen so einen echten Mehrwert für das Unternehmen und die Shareholder?

Auch weniger attraktive Forschungsfelder sollte die Pharmaindustrie nicht aus dem Auge verlieren - zum Beispiel die Entwicklung neuer Antibiotika. Gerade durch das Auftreten multiresistenter Bakterien kann es in einigen Jahren durchaus gewinnbringend sein, eines der wenigen überhaupt noch anwendbaren Antibiotika im Sortiment zu haben.

Neue Gesundheitssysteme wollen ein besseres Ergebnis für die Patienten zu geringen Kosten. Pharmakonzerne müssen Teil der Lösung für diese Herausforderungen sein, um durch Allianzen mit Patienten, Hochschulen und Konkurrenten aus dem Wandel zu profitieren.

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