Blog abonnieren

Klares Denken, klare Meinung. Der Wirtschaftsblog von KPMG.

header-sticker
China verordnet sich eine neue Bescheidenheit
Compliance

China verordnet sich eine neue Bescheidenheit

von

In den Shoppingcentern von Hongkong, Schanghai oder Peking kann man sie noch finden  – funkelnde Luxusuhren, matt schimmernde Handtaschen, exklusive Weine und edel glänzende Füllfederhalter. Doch bei meinem jüngsten Besuch in China war deutlich zu sehen: Seit einigen Monaten bleiben diese Luxusartikel in China immer öfter im Schaufenster liegen.

Der Verkauf teurer Uhren, die mehr als ein Fünftel des chinesischen Marktes für Luxusartikel ausmachen, ging vergangenes Jahr um 27 Prozent zurück. Immer öfter höre ich jetzt Klagen von westlichen Uhrenherstellern ebenso wie von einheimischen Luxusrestaurants. Statt der gewohnten zweistelligen Wachstumsraten schrumpft das Geschäft empfindlich. Vielerorts müssen Edel-Gastronomen schließen oder ihre sogenannten private rooms, separate Speisezimmer für private Gesellschaften, wieder zurückbauen, da sie kaum noch Besucher finden.

Kampf gegen Fliegen und Tiger

Verantwortlich dafür ist die neue Staatskampagne mit dem offiziellen Titel „Neue Bescheidenheit“. Sie ist das Instrument, mit der die Regierung seit dem Amtsantritt des Staatspräsidenten Xi Jingping im März 2013 gegen die grassierende Korruption im Land vorgeht. Die Säuberungswelle der Staatsmacht richtet sich nicht nur gegen die kleinen und großen privaten Korruptionssünder, im Volksmund Fliegen und Tiger genannt. Auch im Partei- und Regierungsapparat will die Führung keine exzessiven Staatsausgaben für Reise-, Bewirtungs- und Dienstwagen mehr sehen. So soll der schwelende Groll der Bevölkerung gegenüber korrupten Kadern eingedämmt werden. Die aktuellen Veröffentlichungen westlicher Medien zu prall gefüllten Offshore-Konten zahlreicher prominenter chinesischer Parteioberer sind da jedoch Gift.

Allein von Januar bis November 2013 wurden in mehr als 27.000 Fällen Ermittlungen gegen insgesamt 37.000 Funktionäre wegen des Verdachts der Bestechlichkeit aufgenommen. Für mich ist klar: Die Zeiten der berühmten „roten Umschläge“, kleiner und größerer Geschenke, die lange die chinesische Kultur der Geschäftsbeziehungen („Guanxi“) prägte, sind inzwischen verpönt.

Auch westliche Unternehmen im Visier

Aber nicht nur Funktionäre sind von der neuen Welle der Korruptionsbekämpfung betroffen. Viele Untersuchungen wurden gegen – oft westliche – Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Sie hätten sich mittels Korruption einen Wettbewerbsvorteil im Land verschafft. So sollen sich laut Anklage die Bestechungszahlungen eines europäischen Medizin- und Pharmakonzerns an Krankenhäuser, Ärzte und Behördenvertreter über die Jahre auf 400 Millionen Euro belaufen haben.

Für den ausländischen Betrachter mögen Untersuchungen gegen westliche Unternehmen als ein willkommenes Mittel erscheinen, einem westlichen Konkurrenten eins auszuwischen. Auf der anderen Seite ist das Risiko der Behörden, einen Korruptionsfall aufzudecken, der bis weit in die politischen Sphären geht, weitaus geringer und kalkulierbarer.

Neben dem Compliance-Bereich Korruption ist aber auch das Wettbewerbsrecht Gegenstand umfangreicher Untersuchungen der chinesischen Kartellbehörde, um die hohen Preise für die Verbraucher und die Inflation besser zu kontrollieren. Strafen von über 50 Millionen Euro für das jeweilige Kartell sind kürzlich erlassen worden für Hersteller von Babymilch, LCD-Panel und Schnaps. Darüber hinaus im Visier der Kartelluntersuchungen sind derzeit Unternehmen für medizinische Geräte, der Pharmabranche, Telekommunikation, Banken oder Automobilhersteller.

Ich bin überzeugt: Aufgrund der Bedeutung des chinesischen Marktes für viele deutsche Unternehmen lohnt es sich, die im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz höheren einheimischen Compliance-Standards auch in China zu etablieren und einzuhalten. So können sie rufschädigende Skandale – verstärkt durch die starke Stellung der sozialen Medien in China – vermeiden. Die anhaltenden wirtschaftlichen Einbußen oder sogar persönlichen Konsequenzen, die der Geschäftsführung und Aufsichtspersonen drohen, sind deutlich höher als die vermeintliche Gegenleistung einer Luxusuhr.



Kommentieren

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht