Chinesische Investoren interessieren sich zunehmend für deutsche Unternehmen. Das sorgt in deutschen Zeitungen immer häufiger für negative Schlagzeilen: „Chinesen machen fette Beute in Deutschland“, „Die gelbe Gefahr“ oder „deutsche Technologie verramscht!“ sind da noch die harmloseren Formulierungen. Aber sind chinesische Investoren derzeit wirklich auf großer Einkaufstour bei uns? Was sind die Motive? Und womit muss man bei Firmenkäufern aus dem Reich der Mitte rechnen?
Tatsächlich kann man die wesentlichen Übernahmen des letzten Jahres durch chinesische Investoren in Deutschland an zwei Händen abzählen. Ein Beispiel ist der schwäbische Betonpumpenhersteller Putzmeister. Für 360 Millionen Euro hat der chinesische Baumaschinenkonzern Sany deutsche Technik erworben, um seine internationale Expansion voranzutreiben. Der deutsche Name bleibt bewusst erhalten, steht er doch weltweit für Qualität und deutsche Ingenieurskunst. Der anfängliche Protest der Belegschaft ist nach einem Jahr vergessen. Bis heute wurde kein Mitarbeiter gekündigt – im Gegenteil, der deutsche Firmensitz wird als weltweite Zentrale für das Betongeschäft ausgebaut.
Ähnliche Beispiele sind der Erwerb des Maschinenbauers Schwing durch die chinesische XCMG-Gruppe oder der Verkauf des Autotürschlossherstellers Kiekert an LingYun Industrial aus Peking.
Das Interesse an deutscher Technik ist größer denn je, gerade in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik und Automobil. Wesentliches Motiv ist fast immer, auf fortschrittliches Know-how zurückzugreifen, um es auf dem stark wachsenden chinesischen Heimatmarkt nutzbar zu machen. Bei fast allen M&A-Verkaufsprozessen in diesen Branchen sind chinesische Investoren heute auf der Longlist der potenziellen Käufer.
Dass weitere derartige Transaktionen zu erwarten sind und dabei auch größere Unternehmen ins Blickfeld geraten, zeigt eine aktuelle Studie der European Chamber in Zusammenarbeit mit KPMG und Roland Berger.
Meiner Erfahrung nach erfordert der Umgang mit chinesischen Investoren einiges an Geduld, Geschick und auch Zeit. Nach wie vor fehlt es häufig an Englischkenntnissen der involvierten Personen, vereinbarte Fristen werden teilweise nicht eingehalten, gemachte Zusagen mitunter später revidiert. In jedem Fall spielt der persönliche Kontakt eine Schlüsselrolle: Anders als in der westlichen Welt kommt man bei Chinesen mit Telefonkonferenzen und Email-Ping-Pong nicht weit. Schon eher hilft eine professionell organisierte Investoren-Roadshow. Weiteres Vertrauen wird dann bei gemeinsamen Essen, mit kleinen Geschenken oder gar beim Karaoke aufgebaut.
Trotzdem gehen chinesische Investoren heute professioneller vor, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Die neue Generation im chinesischen Management ist westlich geprägt und kennt die entsprechenden Gepflogenheiten. Auch vertraut man zunehmend auf den Rat international erfahrener Berater, die bei der Überwindung kulturellen Hürden helfen können.
Grundsätzlich lässt sich festhalten: Ist der Unternehmenskauf erst einmal unter Dach und Fach, setzen die chinesischen Partner meist eher auf langfristige Kooperation als auf Einmischung. Entgegen der landläufigen Meinung möchten die chinesischen Käufer nämlich keine deutschen Fabriken abbauen und in das Reich der Mitte verfrachten sondern mit den Exportweltmeistern aus Deutschland langfristig ihre Position im globalen Wettbewerb sichern.








