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Verlässlichkeit statt Aktionismus
Energiewende

Verlässlichkeit statt Aktionismus

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Vergangene Woche kam die Koalitionsarbeitsgruppe „Energie“ erstmals zu Verhandlungen zusammen. Beide Seiten, CDU und SPD, stellten ihre Themenschwerpunkte vor – ein erstes Abklopfen und Abtasten. Soviel steht fest: Der rasante Anstieg des Strompreises soll gebremst und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformiert werden.

Die Protagonisten der neuen Bundesregierung tun gut daran, sachlich zu verhandeln und die richtigen energiepolitischen Weichen zu stellen – nicht nur für die kommende Legislaturperiode, sondern weit darüber hinaus. Denn eines sollte man nicht vergessen: Die Branche bestimmen Investitionszyklen von bis zu 60 Jahren und mehr.

Die momentan größten Baustellen offenbaren sich beim Erzeugungsmix und EEG-Umbau. Hier sind Berechenbarkeit und Investitionssicherheit gefragt, sonst fliehen die Investoren.

Die Reform des EEG, da sind sich offensichtlich alle Verhandlungspartner einig, ist vordringliche Aufgabe. Die Komplexität des deutschen Energiemarktes und seines Rechtsrahmens lässt jedoch keinen radikalen Umbau zu – lediglich kleine Schritte. Diese sollte man allerdings zügig gehen, sonst verstreicht wertvolle Zeit und die nächste Erhöhung des EEG-Anteils am Strompreis steht bevor.

Die Reform kann durch eine Anpassung der bisherigen Systematik erfolgen – beispielsweise durch die Veränderung der Höhe der Förderung oder auch durch die Umstellung auf ein Auktions- oder ein Quotenmodell.

Zunächst sollte man aber über das Erreichte, und das künftig Gewünschte nachdenken – auch auf europäischer Ebene. Müssen wir ausgerechnet in Deutschland den höchsten Anteil an Photovoltaik haben?

Umweltbundesminister Peter Altmaier hält am Ausbau der erneuerbaren Energien fest, möchte diesen aber „wesentlich kostengünstiger und marktwirtschaftlicher als bisher“. Der richtige Ansatz, wenn damit die stärkere Betonung des Wechselspiels zwischen Angebot und Nachfrage gemeint ist. Vor allem bedeutet dies ein möglichst schnelles Herauswachsen der verschiedenen Technologien aus der Förderung. Blickt man auf Onshore-Windstrom, der schon stark in Richtung 5ct/kWh Gestehungskosten unterwegs ist, kann man durchaus von einem beispielhaften Erfolg sprechen.

Derzeit hört man oft den Ruf nach einer Senkung der Stromsteuer. Ich glaube aber, dass eine zielgerichtete Korrektur der Förderumlagen, d. h. die Eindämmung von Überförderung, das bessere Mittel ist.

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Kommentare

  1. Berger

    Es war ein Schnellschuß in einer Problematik die gut fundiert erarbeitet riesige Chancen birgt. Jetzt ist man jedoch wieder im politischen Trot und der lässt keine Ursachenanalyse zu um dann eine echte Lösung zu entwickeln, wie eine Energiewende ausgestaltet sein muss um die Chancen auch zu nutzen. Stattdessen wird wieder interessengelenkte Klientelpolitik betrieben die letztendlich der Mehrheit schadet und Investoren und Unternehmen verprellt.

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    • Erich Görgens

      Schnellschuß..? Ja, das war wohl aber auch gleichzeitig der erfolgreichste Geburtshelfer. Ohne ihn hätten wir kaum Änderungen oder Chancen, erfahren. Zur Verlässlichkeit sollte man vielleicht mehr auf außerstaatliche Akteure achtend-, hoffend und unterstützend einwirken, um so die Politik weiterführend „an die Hand zu nehmen“.

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  2. Dr. Wolfgang Knorr

    bei den system bedingten Schwankungen der EEG Versorgung werden wir auch nach vollbrachten Ausstieg über das europäische Stromverbundnetz weiterhin munter mit „Atomstrom“ versorgt werden. Wollen wir Deutschen aus historischen Gründen die europäischen Saubermänner spielen? Die Sache ist weder politisch, noch technologisch, noch finanziell ausgegoren

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    • Erich Görgens

      Ok, aber da wo sich Lösungsmöglichkeiten bieten, könnte wir uns als erfolgreichen Architekten zur Schaffung tragfähiger Strukturen bewähren…! Sind Sie dabei…?

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